Fachkräfte von morgen kennenlernen: Warum der Karrieretag für Unternehmen wichtig ist

550 Jugendliche, über 20 Ausbildungsbetriebe und Institutionen, zahlreiche Gespräche an den Ständen – und mittendrin Unternehmen, die nach Auszubildenden, Praktikant:innen und zukünftigen Fachkräften suchen.

Der Karrieretag „Dual in deine Zukunft“ hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe der Berufsorientierung in Friedrichshain-Kreuzberg entwickelt. Für das Regionale Fachkräfte-Bündnis steht dabei eine Frage im Mittelpunkt: Wie kommen Unternehmen mit den Fachkräften von morgen ins Gespräch?

Die Antwort zeigte sich am 3. Juni 2026 in der EAST SIDE MALL.

Nachwuchsgewinnung beginnt lange vor der Bewerbung

Viele Unternehmen stehen vor derselben Herausforderung: Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Bewerbungen gehen zurück und geeignete Fachkräfte zu finden wird zunehmend schwieriger. Gleichzeitig wissen viele Jugendliche nur wenig über die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten direkt vor ihrer Haustür. Zahlreiche Berufe bleiben unsichtbar, obwohl Unternehmen im Bezirk dringend Nachwuchs suchen.

Genau hier setzt der Karrieretag an.
Jugendliche treffen Unternehmen nicht erst im Bewerbungsprozess, sondern deutlich früher. Sie lernen Betriebe kennen, sprechen mit Auszubildenden, stellen Fragen und erhalten Einblicke in Berufe, die sie bislang oft nicht auf dem Schirm hatten.

Für Unternehmen entsteht dadurch etwas, das Stellenanzeigen allein kaum leisten können: persönliche Aufmerksamkeit.

Sichtbarkeit für regionale Unternehmen

Wer ausbildet, muss sichtbar sein.

Viele Betriebe investieren Zeit und Ressourcen in die Suche nach Nachwuchskräften. Gerade kleinere Unternehmen verfügen jedoch nicht über große Personalabteilungen oder umfangreiche Recruiting-Budgets. Der Karrieretag schafft einen direkten Zugang zu jungen Menschen aus dem Bezirk. Mehr als 550 Schülerinnen und Schüler besuchten die Veranstaltung 2026 und informierten sich über Ausbildungswege, Praktika und berufliche Perspektiven.
Dabei profitieren besonders Unternehmen, deren Berufe im Alltag oft wenig wahrgenommen werden. Tiefbauunternehmen, Pflegeeinrichtungen, Handwerksbetriebe oder technische Berufe erhalten hier die Möglichkeit, ihre Arbeit zu zeigen und mit Vorurteilen aufzuräumen.

Regine Sommer-Wetter, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Stadträtin für Arbeit, Soziales und Bürgerdienste, brachte den regionalen Ansatz auf den Punkt: „Wer bei uns ausstellt, muss Arbeits- und Ausbildungsplätze im Bezirk haben.“

Der Karrieretag stärkt damit nicht nur die Berufsorientierung, sondern auch die Fachkräftebasis vor Ort.

Berufe zeigen statt Berufe beschreiben

Viele Gespräche begannen nicht mit einer Bewerbung, sondern mit einer einfachen Frage: „Kann ich das auch mal ausprobieren?“
Genau das macht den Unterschied: Unternehmen brachten Aufgaben aus ihrem Arbeitsalltag mit. Jugendliche konnten Pflastersteine setzen, Wasserrohre verschrauben, Blutdruck messen, einen Altersanzug testen oder verschiedene Werkzeuge ausprobieren. So entstehen andere Gespräche als auf klassischen Ausbildungsmessen.

Helmut Arndt von Frisch & Faust Tiefbau zog ein positives Fazit: „Wir haben tolle Gespräche gehabt, die in der Qualität selten vorkommen.“

Unternehmen lernen interessierte Jugendliche kennen. Jugendliche erhalten einen realistischen Eindruck vom Beruf. Oft entwickeln sich daraus Praktika, Ferienjobs oder spätere Ausbildungsverhältnisse.

Vernetzung als Standortfaktor

Fachkräftesicherung ist keine Aufgabe einzelner Unternehmen. Sie gelingt dort besonders gut, wo Unternehmen, Schulen, Verwaltung, Arbeitsmarktakteure und Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten.

Der Karrieretag bringt genau diese Akteure zusammen. Neben den Gesprächen mit Jugendlichen entstanden zahlreiche Kontakte zwischen den Ausstellern selbst. Unternehmen tauschten Erfahrungen aus, informierten sich über Unterstützungsangebote und knüpften neue Verbindungen im Bezirk.

Max Kindler, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit, formulierte es so: „Ich glaube vor allem die Quintessenz, dass man Wirtschaft, Politik, Verwaltung, aber auch gerade eben die jungen Menschen zusammenbringen muss.“

Diese Vernetzung gehört zu den zentralen Aufgaben des Regionalen Fachkräfte-Bündnisses. Wir unterstützen Unternehmen dabei, passende Ansprechpartner zu finden, Fördermöglichkeiten zu nutzen und bestehende Angebote rund um Ausbildung, Qualifizierung und Fachkräftegewinnung besser zu nutzen.

Gemeinsam Fachkräfte sichern

Der Karrieretag zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie wichtig frühe Kontakte zwischen Unternehmen und jungen Menschen sind.

Aus Berufsorientierung wird Nachwuchsgewinnung. Aus ersten Gesprächen entstehen Praktika, Ausbildungsverhältnisse und langfristige berufliche Perspektiven. Gleichzeitig lernen Unternehmen die Herausforderungen anderer Betriebe kennen und profitieren vom Austausch innerhalb eines starken Netzwerks.

Für das Regionale Fachkräfte-Bündnis ist der Karrieretag deshalb ein wichtiger Termin im Jahr. Er zeigt, wie Fachkräftesicherung im Bezirk funktionieren kann: durch Zusammenarbeit, Sichtbarkeit und den direkten Kontakt zwischen Unternehmen und den Fachkräften von morgen.

Wir bedanken uns bei allen beteiligten Unternehmen, Schulen, Institutionen und Partnern und freuen uns auf den nächsten Karrieretag am 17. Februar 2027.