Woher kommen die Fachkräfte von morgen?

Viele Unternehmen kennen die Situation: Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Bewerbungen gehen zurück und qualifizierte Mitarbeitende sind schwer zu finden. Gleichzeitig suchen Jugendliche Orientierung, Menschen mit Berufserfahrung neue Perspektiven und zahlreiche Fachkräfte den Weg in den Arbeitsmarkt.

Die Fokusgruppe „Arbeit und Beschäftigung“ auf der ersten Berliner Wirtschaftsförderungskonferenz der Bezirke widmete sich genau dieser Herausforderung. Wichtigste Erkenntnis der vorgestellten Projekte aus verschiedenen Berliner Bezirken: Erfolgreiche Fachkräftesicherung beginnt lange vor der Stellenausschreibung und endet nicht mit der Einstellung.

Ausbildung beginnt mit Begegnungen

Wer Nachwuchskräfte gewinnen möchte, muss junge Menschen früh erreichen. Wie das gelingen kann, zeigten Christine Kretlow und Sabine Holfeld anhand konkreter Projekte aus Reinickendorf und Lichtenberg.

Mit dem Wettbewerb „Reinickendorfer Ausbildungsbuddy“ rückt Reinickendorf Unternehmen in den Mittelpunkt, die sich besonders für Ausbildung engagieren. Der Wettbewerb macht gute Ausbildungsbetriebe sichtbar und schafft Aufmerksamkeit für die Chancen einer dualen Ausbildung. Ergänzend bringt das Format „Schule trifft Wirtschaft“ Unternehmen direkt mit Schülerinnen und Schülern zusammen.

Einen ähnlichen Weg geht Lichtenberg mit dem Projekt „Nächster Halt: Traumjob“. Hier stehen persönliche Begegnungen im Vordergrund. Jugendliche lernen Betriebe, Arbeitsorte und Berufsbilder unmittelbar kennen. Unternehmen erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, frühzeitig mit potenziellen Auszubildenden ins Gespräch zu kommen.

Beide Beispiele zeigen, wie wichtig direkte Kontakte zwischen Schulen und Unternehmen geworden sind. Berufsorientierung funktioniert dort besonders gut, wo junge Menschen reale Einblicke erhalten und Unternehmen als greifbare Arbeitgeber erleben.

Fachkräftepotenziale erschließen

Doch selbst eine starke Ausbildungsoffensive allein wird den Fachkräftebedarf vieler Unternehmen nicht decken. Deshalb rückte die Fokusgruppe auch Menschen in den Blick, die bislang nur eingeschränkt am Arbeitsmarkt teilhaben.

Juliane Grinda stellte das BIWAQ-Projekt aus Neukölln vor. Das Programm verbindet Qualifizierung, Beschäftigungsförderung und Stadtteilentwicklung. Es unterstützt Menschen beim Einstieg in Arbeit und stärkt gleichzeitig lokale Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung.

Der Ansatz dahinter ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Statt über fehlende Fachkräfte zu sprechen, werden vorhandene Potenziale sichtbar gemacht und gezielt entwickelt. Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Berlin liegt hier ein großes Reservoir für die Fachkräftesicherung der kommenden Jahre.

Beschäftigte entwickeln statt nur neue suchen

Fachkräftegewinnung endet nicht mit der Besetzung offener Stellen. Unternehmen stehen zunehmend vor der Aufgabe, vorhandene Mitarbeitende weiterzuqualifizieren und langfristig zu binden.

Welche Unterstützung dabei zur Verfügung steht, erläuterten Daniela Franzke und Deniz Reine anhand der Berliner Beschäftigungs- und Weiterbildungsberatung sowie des Projekts „be partner“. Beide Angebote helfen Unternehmen dabei, Qualifizierungsbedarfe zu erkennen, passende Fördermöglichkeiten zu nutzen und Beschäftigte gezielt weiterzuentwickeln.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen verfügen oft nicht über eigene Personalentwicklungsabteilungen. Externe Beratungs- und Unterstützungsangebote können hier entscheidende Impulse liefern.

Gemeinsam mehr erreichen

Den Abschluss der Fokusgruppe bildete die Vorstellung des Regionalen Fachkräfte-Bündnisses Friedrichshain-Kreuzberg durch Evelyn Schulz.

Die zuvor präsentierten Projekte machten deutlich, dass erfolgreiche Fachkräftesicherung selten im Alleingang entsteht. Schulen, Unternehmen, Arbeitsmarktakteure, Wirtschaftsförderungen und Bildungsträger verfolgen häufig ähnliche Ziele, arbeiten jedoch nicht immer miteinander.

Genau hier setzt das Regionale Fachkräfte-Bündnis Friedrichshain-Kreuzberg an. Es bringt Unternehmen und Institutionen zusammen, macht erfolgreiche Ansätze sichtbar und fördert den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren. So entstehen Kooperationen, die einzelne Unternehmen allein kaum aufbauen könnten.

Fachkräftesicherung ist eine Standortfrage

Die erste Berliner Wirtschaftsförderungskonferenz zeigte eindrucksvoll, welchen Beitrag die bezirklichen Wirtschaftsförderungen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Berlin leisten. Sie schaffen die Rahmenbedingungen, damit Unternehmen Fachkräfte finden, entwickeln und langfristig binden können.

Die Beiträge der Fokusgruppe machten dabei vor allem eines klar: Es gibt nicht die eine Lösung gegen den Fachkräftemangel. Erfolgreiche Strategien verbinden Berufsorientierung, Ausbildung, Integration, Weiterbildung und Vernetzung. Dort, wo diese Bausteine zusammenkommen, entstehen Perspektiven für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen.

Für das Regionale Fachkräfte-Bündnis Friedrichshain-Kreuzberg bestätigt sich damit ein zentrales Anliegen: Fachkräftesicherung ist keine Einzelaufgabe. Sie gelingt dort am besten, wo Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Verwaltung und Arbeitsmarktakteure gemeinsam handeln.

Fotos: ​​ Fotografin Sabrina Wagner @personalbrandingfoto | personalbrandingberlin.de