Mit Durchblick in die Berufsorientierung – Zu Gast in der Glaser-Innung

Wie gelingt Berufsorientierung so, dass sie jungen Menschen wirklich weiterhilft – und gleichzeitig Betrieben konkrete Perspektiven eröffnet? Dieser Frage sind wir bei unserem Besuch in der Glaser-Innung Berlin nachgegangen. Vor Ort waren Leonie und Martin vom Regionalen Fachkräfte-Bündnis und dem Friedrichshain-Kreuzberger Unternehmerverein (FKU).

Im Mittelpunkt stand der Austausch mit Timo Böhm, Projektleiter von BOFplus: Berufliche Orientierung für Personen mit Flucht- und Migrationserfahrung. Sein Ansatz zeigt, wie strukturiert und praxisnah Vorbereitung auf Ausbildung aussehen kann – insbesondere für junge Menschen mit Fluchthintergrund.

Kern des Programms ist ein 23-wöchiger Vollzeitkurs, der verschiedene Bausteine sinnvoll miteinander verzahnt. Zu Beginn stehen zwei Wochen Orientierung und Standortbestimmung. Darauf folgen zwölf Wochen intensiver Vorbereitung: Teilnehmende lernen unterschiedliche Berufsfelder kennen, erhalten Fachdeutschunterricht, trainieren ihre Medienkompetenz und sammeln praktische Erfahrungen in der Werkstatt – unter anderem im Umgang mit Holz und Glas. Ergänzt wird das durch Einzel- und Gruppencoaching sowie eine individuelle sozialpädagogische Begleitung.

Ein zentraler Bestandteil sind die anschließenden acht Wochen Praktikum in Ausbildungsbetrieben. Hier geht es nicht nur ums Mitarbeiten, sondern um Einblicke, Begleitung im Arbeitsalltag und eine fundierte Einschätzung der nächsten Schritte. Den Abschluss bildet eine Woche gemeinsamer Auswertung und Perspektivplanung – inklusive Übergabe an weiterführende Angebote und Unterstützungsstrukturen auf dem Weg in Ausbildung.

Was dabei deutlich wird: Berufsorientierung braucht Struktur, Zeit und Verlässlichkeit. Gerade für junge Menschen, die das deutsche Ausbildungssystem noch nicht kennen, ist ein klarer Rahmen entscheidend. Programme wie dieses schaffen genau das – und eröffnen gleichzeitig Betrieben die Möglichkeit, potenzielle Auszubildende frühzeitig kennenzulernen.

Dass dieser Austausch in der Glaser-Innung stattfand, ist bewusst gewählt. Das Handwerk bietet ideale Voraussetzungen, um berufliche Perspektiven greifbar zu machen. Hier wird sichtbar, worauf es ankommt – und welche Chancen eine Ausbildung eröffnet.

Timo Böhm treibt diese Arbeit mit viel Engagement voran und zeigt, wie durchdachte Konzepte konkret wirken können. Der Austausch mit ihm hat deutlich gemacht, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Projekten, Netzwerken und Unternehmen ist.

Für Betriebe ergibt sich daraus eine klare Möglichkeit zur Beteiligung: Wer Praktikumsplätze anbieten möchte und Interesse hat, junge Menschen auf ihrem Weg in Ausbildung zu begleiten, kann sich direkt einbringen. Kontakte können über uns oder direkt über das Projekt hergestellt werden.

Berufsorientierung braucht Durchblick – und genau daran wird hier gearbeitet.